S-Bahn-Fahrgäste verpassten wegen Zugansage Ende von spannendem Handy-Telefonat

Gute Handygespräche in der S-Bahn sind bis zum Schluss spannend.

kojote/BERLIN- - Fast 100 aufgebrachte Fahrgäste beschwerten sich am Mittwoch bei der Berliner S-Bahn, weil sie wegen einer Zugdurchsage den Höhepunkt eines spannenden Handy-Gesprächs verpasst hatten.

93 Insassen eines Wagens der Berliner S-Bahn-Linie 7 hörten kurz nach 13 Uhr mit, wie ein junger Geschäftsmann am Handy von “harten Verhandlungen” über einen „Top-Level-Auftrag“ berichtete. „Wir erfuhren, dass er mit richtig toughen Jungs verhandelt hatte, dass Kienbaum schon nach einer Stunde draußen war und dass am Ende alles davon abhing, was New York dazu sagt“, erzählt Karsten Sauerbein (37). „Natürlich war ich gespannt, ob er den Auftrag bekommen hat.“ Doch dann sei die S-Bahn-Durchsage ertönt – und das Ende des Gesprächs nicht mehr zu hören gewesen. „Nur wegen der Ansage ist mir die Pointe entgangen”, klagt Sauerbein. “Das geht gar nicht!”

Viele Passagiere fühlten sich getäuscht:„Ich hatte extra mein Vokabelheft beiseite gelegt, um mich ganz auf diesen faszinierenden Bericht zu konzentrieren“, sagt Anglistik-Student Jonas Rabenschuh, „jetzt werde ich die Auflösung wohl nie erfahren.“ Rabenschuh fordert von der S-Bahn das Fahrgeld zurück. “Was ist eine Zugfahrt wert, wenn man die interessantesten Handy-Gespräche verpasst?”

Es sollte am Mittwoch nicht bei diesem Vorfall bleiben: Am Nachmittag sorgte eine Frau für lange Gesichter in der Berliner U-Bahn. Sie beschrieb am Mobiltelefon detailliert den Ablauf ihrer Magenspiegelung – und stieg aus, bevor die 113 Mitreisenden den Befund erfahren konnten.

Der KOJOTE berichtete:

Keine Gäste – Club mit der härtesten Tür Berlins muss schließen

Bild © Christoph Droste / pixelio

Kurz-URL: http://www.kojote-magazin.de/?p=3492

Von am 13 Mai 2011. Abgelegt unter Aufmacher, Nachrichten. Folgen Sie diesem Artikel mit RSS 2.0. Sie können einen Kommentar oder Trackback hinterlassen

3 Kommentare für “S-Bahn-Fahrgäste verpassten wegen Zugansage Ende von spannendem Handy-Telefonat”

  1. Präziser Sarkasmus.

    Perlweisse Minihörer über die Ohren gestülpst, Finger hastig auf dem Mobiltelefon um die Wette tippend, nur unterbrochen von lapidarem Smalltalk in Konzertlautstärke und faszinierenden Intimgesprächen. So gehen wir heute millionenfach durch das Leben.

    Technik, Fortschritt, Fun – oder totale Verblödung und Mikrowellenbraterei par Excellence?

  2. Amesa

    Ja, das mache ich auch gerne und telefoniere laut und steigere die Spannung der Anderen bis ins unerträgliche. Dann hüpfe ich aus dem Zug und kann sehen
    wie sich die Anderen an den Scheiben die Nasen plattdrücken, oder wild gestikulieren und heftigst diskutieren.
    Sogar ein Junkie, der mir ein Messer an die Kehle hielt, harrte inne
    und heulte vor Wut als ich verschwand.

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